Apothekenreform: Warum lokale Apotheken um ihr Überleben kämpfen müssen
Nicolai SchlosserApothekenreform: Warum lokale Apotheken um ihr Überleben kämpfen müssen
Die wachsende Debatte über die Apothekenreform in Deutschland rückt die hiesigen Apotheker zunehmend in den Fokus. Politiker und Branchenvertreter fordern Änderungen, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten und die Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern. Zu den zentralen Forderungen zählen höhere Festbeträge pro Rezept sowie strengere Vorschriften für Online-Apotheken, um die traditionellen Vor-Ort-Apotheken zu schützen.
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, unterstützt die Forderung nach einer Erhöhung der Festbeträge auf 9,50 Euro pro Rezept. Er argumentiert, dass höhere Vergütungen unerlässlich seien, um die Existenz lokaler Apotheken zu sichern – besonders angesichts steigender Kosten und der Konkurrenz durch Online-Anbieter. Seidenath plädiert zudem für einheitliche Regelungen für alle Apotheken, darunter verschärfte Kühlkettenvorgaben und Dokumentationspflichten speziell für Online-Händler.
Die Diskussion flammt auf, während Kritiker monieren, dass es in der geplanten Apothekenreform an einer entscheidenden Komponente fehle: der vorgesehenen Gebührenerhöhung. Seidenath geht noch einen Schritt weiter und fordert ein vollständiges Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten – eine Regelung, die in einigen EU-Ländern bereits gilt. Seine Haltung spiegelt die Sorge wider, dass Online-Apotheken unter weniger strengen Auflagen operieren als stationäre Apotheken.
Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss des bayerischen Landtags, betonte die Notwendigkeit von Stabilität in der Branche. Sie warnte, dass unzuverlässige Dienstleistungen das Vertrauen der Bevölkerung untergraben und die Arzneimittelversorgung gefährden könnten. Sowohl Trautner als auch Seidenath sind sich einig, dass starke lokale Apotheken für eine verlässliche Patientenversorgung unverzichtbar sind – insbesondere in ländlichen Regionen.
Zudem verschärft sich der finanzielle Druck. Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharma-Großhändler Noweda, wies auf die schwierige Lage in ländlichen Gebieten hin. Viele Apotheken dort stünden vor der Schließung, da sie kaum noch rentabel seien und sich kaum Käufer für eine Übernahme fänden. Diese Entwicklung hat zu dringenden Forderungen nach einer Überarbeitung der Reform geführt, darunter auch Widerstand gegen Pläne, die es Pharmazeutisch-technischen Assistenten ermöglichen sollen, Apotheken eigenständig zu leiten.
Im Mittelpunkt der Reformbestrebungen stehen zwei zentrale Ziele: die Erhöhung der Vergütung zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken sowie die Verschärfung der Regeln für Online-Konkurrenten. Ohne entsprechende Anpassungen warnen Branchenexperten vor weiteren Schließungen und Versorgungsengpässen. Die Politik steht nun unter Zugzwang, bevor sich die Lage für Apotheken und Patienten weiter verschlechtert.






