16 March 2026, 22:33

Baden-Württembergs Zulieferer am Abgrund: 25.000 Jobs verloren – was jetzt helfen muss

Balkendiagramm, das die Anzahl der Elektrofahrzeuge in den Vereinigten Staaten mit der erhöhten installierten Kapazität von BMW zeigt.

Baden-Württembergs Zulieferer am Abgrund: 25.000 Jobs verloren – was jetzt helfen muss

Mittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg kämpfen mit Auftragsrückgängen, schwachen Investitionen in neue Technologien und schrumpfender Produktion. Der Automotive Cluster der wvib Schwarzwald AG hat nun ein Positionspapier vorgelegt, in dem er mehr Unterstützung für die Branche fordert. Gefordert werden stärkere Partnerschaften, klarere politische Rahmenbedingungen und verbesserte wirtschaftliche Bedingungen, um Arbeitsplätze und die Stabilität der Industrie zu sichern.

Die Region, in der 8.619 Automobilunternehmen ansässig sind, verzeichnete deutliche Einbrüche: Allein 2025 gab es 14 Insolvenzen bei Zulieferern, und die Exporte von Fahrzeugen und Komponenten sanken um 13,4 Prozent. Rund 25.000 Industriearbeitsplätze gingen im vergangenen Jahr verloren – besonders betroffen sind Stuttgart, Waiblingen und Richen, wo sich Nachfrageverschiebungen und Exportprobleme, vor allem in China, besonders stark auswirken.

Das Positionspapier, das von 53 Unterzeichnern unterstützt und vom Beirat des Automotive Clusters erarbeitet wurde, benennt zwei zentrale Probleme: unberechenbare Planung und unfaire Praktiken in der Lieferkette. Unbeständige Produktionspläne und kurzfristige Auftragsänderungen erschweren es Zulieferern, in Technologie, Personal oder Infrastruktur zu investieren. Hanna Böhme, Geschäftsführerin der wvib Schwarzwald AG, warnte, dass die kombinierte Belastung durch die Wirtschaftskrise und den Umstieg auf E-Mobilität viele Unternehmen an den Rand des Ruins treibe.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, fordert der Cluster die Automobilhersteller auf, fairere Verträge, langfristige Planungssicherheit und klare Transformationsfahrpläne zu bieten. An die Politik richtet sich der Appell, Energiekosten zu senken, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Gewinnung von Fachkräften zu stärken. Zudem müssten Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik ausgebaut werden, um Baden-Württemberg als Technologiestandort wettbewerbsfähig zu halten.

Die Zulieferer befürworten zwar eine CO₂-Bepreisung als Klimainstrument – allerdings nur, wenn sie die tatsächlichen Umweltkosten widerspiegelt. Die übergreifende Kampagne des Clusters, "Deutschland kann mehr", zielt auf umfassende Reformen ab, um die Zukunft der Region als globaler Automobilstandort zu sichern.

Ohne Gegenmaßnahmen, so die Warnung im Papier, werde die anhaltende Instabilität zu weiteren Jobverlusten, schwächerer Innovation und einem Risiko für den industriellen Standort führen.

Die Forderungen des Automotive Clusters konzentrieren sich auf sofortiges Handeln: fairere Branchenpartnerschaften, stabile Wirtschaftspolitik und gezielte Hilfen für Zulieferer. Würden diese Maßnahmen umgesetzt, könnten sie Arbeitsplatzverluste rückgängig machen, die Produktion stabilisieren und Baden-Württemberg als Schlüsselakteur in der Automobilindustrie erhalten.

Die Vorschläge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche vor ihrer größten Bewährungsprobe steht: Elektrifizierung, Exportrückgänge und wirtschaftliche Unsicherheit verändern die Zukunft der Industrie grundlegend.

Quelle