Flaggenstreit der 1920er: Wie Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot Deutschland spalteten
Ira DowergFlaggenstreit der 1920er: Wie Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot Deutschland spalteten
Flaggenstreit spitzt sich in den 1920er-Jahren zu
In den mittleren 1920er-Jahren vertiefte sich der deutsche Flaggenstreit, als sich die politischen Gräben verhängnisvoll verhärteten. Zur Präsidentschaftswahl 1925 hatten sich zwei Lager formiert: Die Linke und die Mitte unterstützten die Farben Schwarz-Rot-Gold, während die Rechte die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot verteidigte. Der Konflikt zwang die Regierung bald zum Handeln.
Die Spaltung wurde immer deutlicher, als sich die Parteien positionierten. Die rechtskonservative Deutsche Volkspartei (DVP) und die nationalkonservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP) setzten sich für Schwarz-Weiß-Rot ein. Gleichzeitig standen die SPD, die DDP und die katholische Zentrumspartei – bekannt als die „Weimarer Koalition“ – hinter Schwarz-Rot-Gold.
Am 2. März 1926 forderte die DVP offiziell die Rückkehr zur Kaiserflagge. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther schlug einen Kompromiss vor, woraufhin Reichspräsident Paul von Hindenburg am 5. Mai die „Zweite Flaggenverordnung“ erließ. Dieses Dekret schrieb vor, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge als auch die Handelsflagge hissen mussten – letztere verband kaiserliche und republikanische Symbole.
Hindenburg versuchte am 9. Mai mit einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen, und rief zu einer verfassungsgemäßen Lösung auf, um die zersplitterten Lager zu einen. Hinter den Kulissen arbeitete der ReichskunstwartEdwin Redslob an einem einheitlichen Entwurf. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm bis Ende 1926 nicht, eine allgemein anerkannte Flagge zu schaffen.
Die Verordnung sollte den Streit eigentlich beilegen, verschärfte die Gegensätze jedoch nur. Linke und gemäßigtere Kräfte sahen darin eine Provokation und bekräftigten ihre Haltung zu Schwarz-Rot-Gold.
Bis zum Jahresende 1926 blieb der Flaggenkonflikt ungelöst. Hindenburgs Erlass hatte die Kluft nicht überbrückt, sondern die tiefe politische Spaltung des Landes nur deutlicher hervortreten lassen. Die diplomatischen Vertretungen hissten weiterhin zwei Flaggen – ein Symbol für eine Nation, die über ihre Identität uneins blieb.






