Herrenknecht warnt: Deutschland steuert ohne Reformen in die Krise
Katherina HermannHerrenknecht warnt: Deutschland steuert ohne Reformen in die Krise
Martin Herrenknecht, Chef der Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft
Der Vorstandsvorsitzende des weltweit führenden Herstellers von Tunnelvortriebsmaschinen sieht das Land auf direktem Weg „gegen die Wand“ – sofern nicht grundlegende Reformen umgesetzt werden. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen überbordende Bürokratie und veränderte Erwartungen im Arbeitsumfeld, die seiner Meinung nach Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit ersticken.
Die Herrenknecht AG mit Sitz in Schwanau im Ortenaukreis beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter weltweit und dominiert den Markt für Tunnelbohrtechnik. Das Unternehmen war an prägenden europäischen Großprojekten beteiligt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und Stuttgart 21. Doch trotz dieser Erfolgsbilanz betont Herrenknecht, dass er sein Unternehmen unter den heutigen regulatorischen Bedingungen in Deutschland nicht mehr gründen könnte.
Deutschland befinde sich in einem „Dornröschen-Schlaf“, so der Unternehmer, und verweise auf zähfließende Genehmigungsverfahren. Als Beispiel nennt er ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg, das seit dreieinhalb Jahren in der Planungsphase feststeckt – während ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, bereits nach drei Monaten die notwendigen Freigaben erhielt.
Kritik übt Herrenknecht auch an den Forderungen jüngerer Arbeitnehmer, etwa nach flexiblen Arbeitsmodellen, verlängertem Elternurlaub oder Sabbatical-Regelungen. Diese Erwartungen, kombiniert mit der schweren Bürokratie, untergrüben die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, warnt er.
Die Äußerungen des Vorstandschefs spiegeln tiefe Sorgen über die wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Herausforderungen des Landes wider. Angesichts verzögerter Infrastrukturvorhaben und steigender Ansprüche im Arbeitsleben mahnt er dringende Kurskorrekturen an. Ohne diese drohe Deutschland, im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.






