21 March 2026, 20:30

Kratzers provokante Neuinszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper in Begeisterung und Protest

Illuminierte Handschrift mit einer Darstellung des Falls der rebellischen Engel, mit einer Gruppe von Menschen in einer Kirche im Vordergrund und leuchtenden, detailreichen Elementen.

Kratzers provokante Neuinszenierung spaltet die Hamburger Staatsoper in Begeisterung und Protest

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri unter ihrem neu berufenen Intendanten Tobias Kratzer. Die Premiere löste starke Reaktionen aus: Die Inszenierung verbindet Schumanns Oratorium aus dem 19. Jahrhundert mit scharfsinnigen zeitgenössischen Themen. Während einige Zuschauer zunächst buhten, endete der Abend mit begeistertem Applaus der Mehrheit.

Kratzers Regie deutet den sterbenden Jüngling in Schumanns Werk als schwarzen Mann, der sich einem autoritären Herrscher widersetzen soll. Die Mordszene wird als kollektiver Akt dargestellt – Bühnensblut spritzt auf Peri und ihr weißes Kleid. Diese brutale Bildsprache wird von einer modernen Parallele begleitet: Ein Pestkranker und seine Geliebte sterben in Quarantäne, eine klare Anspielung auf die Realität der Pandemie.

Der dritte Akt rückt die Klimakrise in den Fokus und macht die Verbindung explizit. Kratzer bricht zudem die vierte Wand, indem er Szenen direkt ins Publikum hinein inszeniert und Kameraschwenks nutzt, um seine gesellschaftskritischen Kommentare zu unterstreichen. An einer Stelle klettert die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, sogar über die Zuschauerreihen, um sich neben einen weinenden Gast zu setzen – eine Geste, die die Erzählung über die Bühne hinaus erweitert.

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Die Inszenierung deutet den Konflikt als einen von einem weißen Mann entfachten Krieg, in den einfache Menschen hineingezogen werden. Ein Zuschauer protestierte lautstark und verließ während der Vorstellung den Saal. Doch beim letzten Vorhang brandete lang anhaltender Applaus auf – ein Zeichen für die breite Zustimmung zu Kratzers provokanter Vision.

Für die Zukunft hat der Intendant versprochen, das Opernhaus für ein breiteres Hamburger Publikum zugänglicher zu machen. Sein Debüt deutet auf eine Amtszeit hin, die von kühnen, gesellschaftlich engagierten Erzählweisen geprägt sein wird.

Die Premiere bestätigte Kratzers Ruf für radikale Neudeutungen. Sein Das Paradies und die Peri verbindet Musik des 19. Jahrhunderts mit drängenden modernen Themen – von rassistischer Ungerechtigkeit bis zum ökologischen Kollaps. Die gespaltene, letztlich aber positive Resonanz lässt eine transformative Ära für die Hamburger Staatsoper unter seiner Leitung erahnen.

Quelle