Mainzer Dreigroschenoper als düstere U-Bahn-Satire auf Kapitalismus und Korruption
Nicolai SchlosserMainzer Dreigroschenoper als düstere U-Bahn-Satire auf Kapitalismus und Korruption
Das Mainzer Staatstheater präsentiert eine kühne Neuinszenierung der Dreigroschenoper, Bertolt Brechts beißender Kapitalismuskritik. Unter der Regie von Jan Neumann verwandelt sich eine U-Bahn-Station in eine düstere Londoner Unterwelt, in der Verbrechen und Satire aufeinanderprallen. Noch viermal ist die Produktion 2025 zu sehen, bevor sie im April 2026 zurückkehrt.
Im Mittelpunkt steht Macheath, alias "Mackie Messer", ein berüchtigter Ganove, den Henner Momann verkörpert – seine Verbindungen zu Polizeichef Tiger Brown verwischen die Grenzen zwischen Gesetz und Korruption. Statt des üblichen Baritons eröffnet hier eine Bettlerin, gespielt von Anika Baumann, mit der Moritat von Mackie Messer das Stück und setzt damit einen frischen Akzent. Baumann übernimmt zudem die Rolle Brechts selbst und wechselt mit scharfem komischem Timing zwischen den Figuren.
Neumanns Inszenierung spielt mit den Widersprüchen in Brechts Werk und verbindet dessen moralischen Impetus mit dessen eigenem Geschäftssinn. Heraus kommt ein selbstreflexives, temporeiches Spektakel, das Karnevalslieder, Tango, Jazz und Operette mischt. Ein großes Ensemble – darunter Maren Schwier, Liudmila Maytak und Verena Töhnjes – verleiht der Aufführung Energie und Tiefe und lässt das Publikum sowohl unterhalten als auch mit der Frage zurück, wer hier eigentlich die wahren Schurken sind.
Die Tickets für die verbleibenden Vorstellungen 2025 kosten zwischen 17,50 und 45,50 Euro, inklusive eines Getränkeguthabens. Nach diesen Terminen folgt die nächste Aufführung erst wieder am 2. April 2026 im Großen Haus in Mainz.
Die Produktion des Mainzer Ensembles wird für ihren Witz und ihr theatertechnisches Geschick gelobt – aus Brechts dunkler Satire wird so ein lebendiges, zum Nachdenken anregendes Erlebnis. Da in diesem Jahr nur noch wenige Vorstellungen anstehen, sollten Interessierte sich beeilen, um diese frische Interpretation auf der Bühne zu erleben.






