Ricarda Lang: Vom Aktivismus zur prägenden Stimme der Grünen im Bundestag
Sabrina RoskothRicarda Lang: Vom Aktivismus zur prägenden Stimme der Grünen im Bundestag
Ricarda Lang schrieb 2021 Geschichte als erste offen bisexuelle Abgeordnete des Bundestags. Mit ihren prägnanten politischen Positionswechseln und ihrem Engagement hat sie sich zu einer der prägendsten Stimmen der Grünen in den Bereichen Klima-, Familien- und Feminismuspolitik entwickelt. Ihr Werdegang reicht von jugendpolitischem Aktivismus bis hin zur Co-Vorsitzenden der Grünen, ein Amt, das sie 2024 nach Koalitionsstreitigkeiten niederlegte.
Geboren 1994, glänzte Lang bereits früh mit akademischen Leistungen: 2012 erreichte sie im Abitur die Spitzennote 1,1. Anschließend studierte sie Jura in Heidelberg und Berlin, brach das Studium jedoch ohne Abschluss ab. Noch im selben Jahr trat sie den Grünen bei und stieg bis 2017 zur Sprecherin des Grünen Jugendverbandes auf.
2021 zog sie als Abgeordnete in den Bundestag ein, wo sie seitdem dem Familienausschuss angehört und als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales mitwirkt. Ihr monatliches Bruttogehalt beträgt 11.227,20 Euro. Privat heiratete sie 2024 nach sieben Jahren Beziehung ihren langjährigen Partner Florian Wilsch.
Politisch durchlief Lang einen markanten Wandel: Noch bis 2023 galt sie als linke Stimme der Grünen Jugend. Nach ihrem Rücktritt als Parteichefin 2024 – ausgelöst durch das Scheitern der Berliner Ampel-Koalition – vertrat sie zunehmend pragmatischere Positionen. Sie kritisiert die große Koalition unter Friedrich Merz (geplant für 2025) scharf für deren Versagen im Klimaschutz und die kurzfristige Ausrichtung auf fossile Energien. Stattdessen setzt sie sich für kommunale Finanzierung über Sondervermögen und die Einführung des Bestellerprinzips bei Kita-Gebühren ein.
Zu ihren jüngsten Initiativen zählt die Mitautorschaft eines 10-Punkte-Plans für 2026, den sie gemeinsam mit Düzen Tekkal und Kristina Lunz erarbeitete. Das Papier fordert die Strafbarkeit sexualisierter Deepfakes, ein Verbot von Apps wie Nudify, die Pflicht für Plattformen, schädliche Inhalte zu löschen, sowie Opferschutz durch Löschansprüche und Täteridentifizierung. Lang drängt auf ein Regierungstreffen, um den Plan voranzubringen.
Auch abseits der Politik thematisiert sie offen ihre Gewichtsabnahme – etwa in der Sendung hart aber fair. Über weitere gesundheitliche Probleme ist nichts bekannt.
Lang bleibt eine zentrale Figur der Grünen und vereint in ihrer Arbeit Familienpolitik, Klimaschutz und feministische Kampagnen. Besonders ihre Gesetzesinitiativen zu digitaler Gewalt und Kita-Reformen prägen die Bundestagsdebatten. Als erste bisexuelle Abgeordnete steht sie zudem für einen Wandel der politischen Repräsentation.






