25 March 2026, 00:33

Wie Neslihan Arol eine vergessene osmanische Erzählkunst feministisch neu erfindet

Gemälde eines Mannes in Turban und langem Gewand, der auf einem Stuhl sitzt, und einer Frau in einem prächtig bestickten Kleid mit Kopfbedeckung, die neben ihm steht, beide mit ernsten Gesichtern, unten mit 'Türkisch' beschriftet.

Wie Neslihan Arol eine vergessene osmanische Erzählkunst feministisch neu erfindet

Neslihan Arol lässt in Berlin eine uralte osmanische Kunstform wieder aufleben – mit einem mutigen, feministischen Twist. Im Bavul Café in Kreuzberg führt sie Meddah auf, eine jahrhundertealte Erzähltradition, die einst von Männern dominiert wurde. Ihre Shows verbinden Humor, Politik und mehrsprachigen Witz – alles im Schein einer flackernden Teelichtkerze.

Bevor Arol zur Künstlerin wurde, studierte sie Chemieingenieurwesen und erwarb später einen Master in Schauspiel. Ihr Weg zur Komödie begann 2014, als sie nach Berlin zog, um sich im Clowning, Stand-up und der fast vergessenen Meddah-Tradition zu versuchen.

Die Meddah-Kunst entstand im 16. Jahrhundert in osmanischen Kaffeehäusern, wo männliche Geschichtenerzähler das Publikum mit epischen Erzählungen, Satire und religiösen Geschichten unterhielten. Im 19. Jahrhundert blühte sie in Städten wie Istanbul und Skopje auf, doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet sie in Vergessenheit, als Theater, Radio und Kino die Bühne übernahmen. Jahrzehnte später entdeckte Arol die Tradition wieder – und formte sie zu feministischer Performancekunst um.

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Arols Weg auf die Bühne war nicht geradlinig. Ihr Vater hielt sie von der Schauspielerei ab, also verfolgte sie ihre Leidenschaft im Verborgenen. Später fiel ihr auf, wie selten Frauen im klassischen Theater wirklich komisch sein durften. Diese Frustration führte sie zum Clowning, das sie heute als feministisches Werkzeug nutzt, um Normen herauszufordern.

Auf der Bühne wechselt sie zwischen scharfer politischer Kommentierung und verspieltem Humor, während in ihrer Nähe eine kleine Flamme brennt. Das Licht – einst eine alte Gaslampe, heute ein schlichtes Teelicht – symbolisiert die Spontanität ihrer Geschichten und die Wärme der ursprünglichen Meddah-Erzähler. Anders als ihre männlichen Vorgänger füllt Arol ihre Auftritte mit feministischen Perspektiven und macht die Kunstform zu ihrer eigenen.

Mit ihren Meddah-Shows im Bavul Café belebt Arol eine verlorene Tradition und bricht gleichzeitig Neuland. Ihre Mischung aus Komödie, mehrsprachigem Storytelling und feministischen Themen hat ihr einen einzigartigen Platz in Berlins Performanceszene verschafft. Die Teelichtkerze auf der Bühne bleibt eine stille, aber kraftvolle Erinnerung an die Geschichte dieser Kunst – und an ihre Zukunft in Arols Händen.

Quelle