23 May 2026, 22:36

Bergkirchweih in Erlangen: Sexismus-Debatte um Partyhits spaltet die Stadt

Ich bin der Herr von Erlangen, Euer Nachbar vom Land

Bergkirchweih in Erlangen: Sexismus-Debatte um Partyhits spaltet die Stadt

Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht in diesem Jahr in der Kritik. Die Stadt hat mehrere beliebte Partyhits als „sexistisch“ eingestuft und die Veranstalter aufgefordert, auf deren Abspielen zu verzichten. Dennoch werden fast eine Million Besucher zum jährlichen Fest in der fränkischen Stadt erwartet.

Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die berichtete, sich bei früheren Festen aufgrund aggressiven Verhaltens und bestimmter Songtexte unsicher gefühlt zu haben.

Auslöser war ein Leserbrief einer Einheimischen an die Nürnberger Nachrichten, in dem sie schilderte, von Männern auf früheren Festen „begrapscht“ worden zu sein. Zudem kritisierte sie Lieder wie Skandal im Sperrbezirk sowie Titel von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel, die eine unangenehme Atmosphäre schüfen.

Als Reaktion prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer Partysongs“. Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilt. Die neuen Richtlinien wurden nun auf Werke mit frauenfeindlichen Inhalten ausgeweitet.

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Wirtshausbesitzer zweifeln die Umsetzbarkeit der Liste an, während einige Musiker zögern, unter den neuen Vorgaben in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Sänger der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und behauptete, selbst das SED-Regime habe seine Bandtexte nie zensiert. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, zeigte sich wenig überrascht über die Zurückhaltung vieler Künstler.

Kritiker spotten über den neuen Kurs der Stadt und titeln spöttisch: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ Ziel des Index ist ein sichereres Umfeld auf dem Bergkirchweih – doch die Reaktionen fallen gespalten aus. Während einige Künstler und Gastwirte die Einschränkungen als überzogen kritisieren, begrüßen andere den Versuch, Belästigungen entgegenzuwirken. Das Fest findet wie geplant statt, doch die Veranstalter müssen nun abwägen, welche Lieder unter den neuen Regeln gespielt werden dürfen.

Quelle