Bundesweiter Wahltermin für Landtagswahlen stößt auf scharfe Kritik der Ministerpräsidenten
Sabrina RoskothBundesweiter Wahltermin für Landtagswahlen stößt auf scharfe Kritik der Ministerpräsidenten
Der Vorschlag, alle Landtagswahlen in Deutschland an einem einzigen Tag abzuhalten, hat bei mehreren Regierungschefs der Bundesländer scharfe Kritik ausgelöst. Die Idee, die von Bundestagsvizpräsident Omid Nouripour (Grüne) vorgebracht wurde, zielt darauf ab, den Fokus auf Umfragen zu verringern und langfristige Planung zu fördern. Doch die Ministerpräsidenten lehnen den Plan ab – mit der Begründung, er untergrabe den Föderalismus und die Entscheidungshoheit der Länder.
Nouripour schlägt vor, die Landtagswahlen zu synchronisieren, um einen bundesweiten Wahltermin zu schaffen. Dies würde seiner Meinung nach die ständige Beschäftigung mit Umfragewerten in den Hintergrund drängen und mehr Raum für inhaltliche Debatten schaffen. Doch der Vorschlag stieß bei den Länderchefs umgehend auf Ablehnung.
Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) betonte, Landtagswahlen müssten sich auf regionale Themen konzentrieren. Entscheidungen in Bildung, Wirtschaft und innerer Sicherheit gehörten in die Hände der Wähler vor Ort, argumentierte sie. Andere Regierungschefs unterstützten diese Position und warnten davor, die Kontrolle über landesspezifische Politik zu verlieren.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) warnte, eine Gleichschaltung der Landtagswahlen würde diese zu einer bundesweiten Abstimmung über die Bundesregierung machen – und damit den Föderalismus schwächen. Wähler sollten über regionale Belange selbst entscheiden, statt Wahlen als „Midterm“-Bewertung der Berliner Politik zu behandeln, forderte er. Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) fügte hinzu, dass gleichzeitige Wahlen zu einheitlichen Mehrheiten führen könnten, was das Gleichgewicht zwischen Bund und Ländern stören würde.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wies den Vorschlag kategorisch zurück. Eine solche Reform lenke nur von den eigentlichen Herausforderungen ab, etwa wirtschaftlichen und sozialen Problemen, argumentierte er. Seine Äußerungen unterstreichen die Sorge, dass zentralisierte Wahltermine lokale Prioritäten in den Hintergrund drängen könnten.
Die Idee bundesweiter Wahltermine trifft auf entschiedenen Widerstand der Länderchefs. Diese bestehen darauf, dass getrennte Wahltermine den Föderalismus stärken und es den Wählern ermöglichen, sich direkt mit regionalen Anliegen auseinanderzusetzen. Die Debatte zeigt, wie tief die Gräben bei der Frage sind, wie in Deutschland die Balance zwischen nationaler und regionaler Governance am besten zu gestalten ist.






