"Das Gleichnis der Säure": Ein radikal ehrliches Theaterstück über Dicksein und Diskriminierung
Katherina Hermann"Das Gleichnis der Säure": Ein radikal ehrliches Theaterstück über Dicksein und Diskriminierung
„Das Gleichnis der Säure“ – Ein Theaterstück über das Leben dicker Menschen feiert Premiere
Mit der Uraufführung von „Das Gleichnis der Säure“ (The Parable of Acid) setzt ein neues Bühnenwerk auf mutiges Storytelling, um die Lebensrealitäten dicker Menschen zu erkunden. Unter der Regie von Rébecca Chaillon verbindet die fast drei Stunden dauernde Produktion Humor, Geständnisse und gesellschaftskritische Reflexionen.
Der Abend beginnt ungewöhnlich: Ein Schauspieler verteilt Butter an das Publikum. Die sieben Darsteller:innen, in buttergelbe Roben gehüllt, setzen sich im Verlauf des Stücks immer wieder mit dem Material auseinander. Sie entschuldigen sich für ihre Körper und teilen persönliche Bekenntnisse über ihre Kämpfe mit dem Gewicht.
Inspiriert ist die Inszenierung vom Leben einer Popikone und einer Astrophysikerin, die – wie Chaillon selbst – aus derselben stigmatisierten Banlieue stammen. Das Stück thematisiert Diskriminierung, Identität und das, was die Regisseurin als „die Magie des Glaubens“ bezeichnet. Ein Höhepunkt ist die grotesk-komische Nachstellung der Castingshow „The Biggest Loser“.
Auch das Publikum wird einbezogen: In einer Verlosung kann man einen Preis gewinnen – Lebensmittel im Gegenwert von einem Zehntel des eigenen Körpergewichts.
Fast drei Stunden lang stellt die Produktion gängige Vorstellungen von Dicksein infrage. Mit eindringlichen Bildern, autobiografischen Erzählungen und interaktiven Elementen konfrontiert sie die Zuschauer:innen mit gesellschaftlichen Haltungen. Chaillon, die sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt, führt das Ensemble in einer Performance, die gleichermaßen provokant wie zutiefst persönlich ist.






