Deutschland führt 2028 Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke ein – trotz Lobby-Widerstand
Katherina HermannDeutschland führt 2028 Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke ein – trotz Lobby-Widerstand
Deutschland plant die Einführung einer neuen Steuer auf zuckerhaltige Getränke ab 2028, um den Zuckerkonsum zu reduzieren und zusätzliche Mittel für das Gesundheitssystem zu beschaffen. Der Schritt folgt jahrelangen Diskussionen über den Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken, wobei Branchenlobbyisten die Pläne vehement ablehnen. Nach Schätzungen der Behörden könnte die Abgabe jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen.
Die Entscheidung der Regierung erfolgt vor dem Hintergrund widersprüchlicher Berichte zur Zuckerreduktion in Getränken. Noch 2023 hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Rückgang des Zuckeranteils um 15 Prozent zwischen 2018 und 2024 verkündet. Spätere interne Unterlagen zeigten jedoch, dass die tatsächliche Verringerung nur 9,1 Prozent betrug. Die 15-Prozent-Angabe bezog sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Erfrischungsgetränke, nicht auf alle untersuchten Produkte.
Eigene Experten des Ministeriums stellten fest, dass sich der Zuckergehalt in den meisten gesüßten Getränken im selben Zeitraum kaum verändert hatte. Gleichzeitig stieg der Zuckeranteil in kindgerecht vermarkteten Getränken mit auffälliger Verpackung zwischen 2019 und 2024 sogar um 23 Prozent.
Nach dem neuen Steuermodell bleiben Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter steuerfrei. Bei einem Zuckergehalt von 5 bis 8 Gramm wird eine Abgabe von 26 Cent pro Liter fällig, während stark zuckerhaltige Getränke mit 32 Cent pro Liter besteuert werden. Die Einnahmen sollen die Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung verringern und Hersteller dazu anhalten, ihre Rezepte zu überarbeiten.
Zucker- und Getränkehersteller haben bereits mit Kampagnen gegen den Vorstoß begonnen und argumentieren, dass die Steuer Produzenten und Verbraucher ungerechtfertigt belaste.
Die Abgabe soll 2028 in Kraft treten. Die Regierung erhofft sich sowohl finanzielle als auch gesundheitspolitische Vorteile. Hersteller werden voraussichtlich unter Druck geraten, den Zuckergehalt zu senken, um höhere Kosten zu vermeiden. Ob die Maßnahme erfolgreich sein wird, hängt davon ab, ob sie tatsächlich zu Reformulierungen der Produkte und veränderten Verbrauchergewohnheiten führt.






