Energiewende in Deutschland: Wer sichert die Stromversorgung ohne Kohle und Atom?
Nicolai SchlosserEnergiewende in Deutschland: Wer sichert die Stromversorgung ohne Kohle und Atom?
Deutschlands Umstieg auf Erneuerbare beschleunigt sich – doch die Debatte über die Versorgungslücken bleibt
Deutschland treibt die Energiewende voran, doch die Diskussionen darüber, wie die Versorgungslücken durch den Rückbau alter Kraftwerke geschlossen werden sollen, halten an. Zwar sind sich alle großen Parteien einig, dass Backup-Lösungen nötig sind – doch ihre Ansätze könnten kaum unterschiedlicher sein. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, welche Technologien den Übergang überbrücken sollen – und wie sich ihr Betrieb wirtschaftlich sichern lässt.
Erneuerbare Energien gewinnen zwar zunehmend an Bedeutung im deutschen Strommix, doch konventionelle Kraftwerke bleiben für die Netzstabilität unverzichtbar. Diese stehen jedoch unter finanziellem Druck: Niedrige Energiepreise und die aktuelle "Energy-Only"-Marktstruktur setzen sie unter Druck.
Die Grünen plädieren für einen Ausstieg aus Kohle- und Braunkohlekraftwerken bis 2030 und setzen stattdessen auf moderne Gasturbinen als Übergangslösung. Die Linke hingegen fordert den Ausbau kommunaler Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und einen Kohleausstieg erst bis 2040. Die FDP unterstützt hochmoderne konventionelle Kraftwerke, warnt aber, dass der von Frankreich geplante Kapazitätsmarkt ihre Rentabilität gefährden könnte.
Nur die Union geht direkt auf die wirtschaftlichen Herausforderungen ein und fordert höhere Stromgroßhandelspreise, um konventionelle Kraftwerke profitabler zu machen. Die SPD erkennt zwar den Bedarf an Brückentechnologien an, vermeidet jedoch konkrete Aussagen zu finanziellen Anreizen. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, betont, dass der Ausgleich zwischen Erneuerbaren, Netzausbau und konventionellen Kraftwerken entscheidend sei, um die Kosten der Energiewende im Griff zu behalten.
Der zentrale Streitpunkt bleibt, welche Technologien als Backup dienen sollen – und ob die Marktbedingungen ihren nachhaltigen Betrieb überhaupt ermöglichen. Ohne Einigung über Rentabilität und Technologie steht die Energiewende vor praktischen Hürden. Die nächsten Schritte hängen davon ab, wie die Parteien Kostensorgen mit der Notwendigkeit einer sicheren Versorgung in Einklang bringen. Bis dahin bleiben konventionelle Kraftwerke unverzichtbar – doch ihre Zukunft hängt von noch ausstehenden politischen Weichenstellungen ab.






