"Energyfish": Schwimmende Mini-Kraftwerke erobern den Rhein bei Sankt Goar
Katherina Hermann"Energyfish": Schwimmende Mini-Kraftwerke erobern den Rhein bei Sankt Goar
Ein neues schwimmendes Strömungskraftwerk namens „Energyfish“ wird erstmals im großen Maßstab am Rhein getestet. Entwickelt vom Unternehmen Energyminer, nutzt das System die natürliche Fließkraft des Flusses, um kontinuierlich Strom zu erzeugen. Derzeit wird bei Sankt Goar in Deutschland der erste große „Schwarm“ aus 124 Einheiten installiert.
Jede Energyfish-Anlage ist kompakt: 2,8 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,4 Meter hoch bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Unter optimalen Bedingungen erzeugt eine Einheit bis zu 6 Kilowatt (kW), im Durchschnitt jedoch rund 1,8 kW. Ein Verbund von 100 Einheiten könnte somit im Schnitt etwa 180 kW liefern – was die Angabe von Energyminer stützt, dass 124 Module jährlich rund 1,5 Gigawattstunden (GWh) produzieren könnten.
Laut Hersteller erzeugt eine einzelne Anlage etwa 15 Megawattstunden (MWh) pro Jahr, sodass ein Schwarm von 100 Einheiten den Bedarf von rund 470 Haushalten decken könnte. Das System ist für die Grundlastversorgung rund um die Uhr konzipiert, funktioniert bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, ist hochwasserresistent und soll Fische schonen. Die Installation geht zügig vonstatten, wobei Genehmigungen für Flussbettarbeiten, Verankerungen, Kabel, Netzanschlüsse und Wartungspläne vorliegen.
Doch Flüsse bergen Herausforderungen: Die Strömung schwankt je nach Jahreszeit, Treibgut nach Hochwasser kann den Betrieb stören, Niedrigwasser mindert die Leistung, und in kalten Regionen kann Eis Hindernisse schaffen. Für abgelegene, dieselabhängige Gemeinden mit starken Strömungen könnte Energyfish dennoch eine vielversprechende Lösung sein. In europäische netzgebundenen Gebieten konkurriert die Technologie mit Alternativen wie Solar-, Windenergie, Batteriespeichern, Lastmanagement und Netzausbau.
Energyminer gibt die gestrichenen Stromgestehungskosten mit etwa 8 Cent pro Kilowattstunde (kWh) an, bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent über eine Projektlaufzeit von 20 Jahren. Die Installation in Sankt Goar markiert den ersten Großversuch dieser Technologie. Sollte sich das System als zuverlässig, wartungsarm und umweltverträglich erweisen, könnte es für bestimmte Standorte eine attraktive Option werden. Die wirtschaftlichen und betrieblichen Details werden genau beobachtet, sobald der Schwarm den Betrieb aufnimmt.
