02 April 2026, 18:33

EU und Deutschland ringen um echte Kreislaufwirtschaft bei Plastikmüll

Ein Strand voller Plastikflaschen, Dosen und Schutt, mit Vegetation im Hintergrund.

EU und Deutschland ringen um echte Kreislaufwirtschaft bei Plastikmüll

Auf dem Event "DBU goes Brussels" trafen sich Führungskräfte und Expert:innen, um für strengere Maßnahmen gegen Plastikmüll zu werben. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand der Wandel von einer verschwendungsorientierten Wirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der Materialien wiederverwendet statt weggeworfen werden. Vertreter:innen warnten, dass Plastikverschmutzung Ökosysteme, Wildtiere und sogar die menschliche Gesundheit gefährdet.

Die EU bereitet derzeit den "Circular Economy Act" vor, der bis Ende 2026 vorgestellt werden soll und strengere Vorschriften für die Plastikproduktion und das Recycling vorschreibt. Doch trotz bestehender Regelungen hat noch kein EU-Land nationale Gesetze zur Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen vollständig umgesetzt – es klaffen Lücken in der Durchsetzung.

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Thekla Walker, Umweltministerin von Baden-Württemberg, forderte ein EU-weites Verbot für die Deponierung von Plastik. Sie argumentierte, dass wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen statt vergraben werden sollten. Ihr Appell steht im Einklang mit der "Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR 2025/40)" der EU, die im Februar 2025 in Kraft trat und ab dem 12. August 2026 direkt anwendbar wird. Dieses Gesetz setzt EU-weite Standards und überlagert nationale Regelungen, etwa mit Zielen wie 65 Prozent Recyclinganteil in Plastikflaschen bis 2030 und einer Recyclingquote von 55 Prozent für alle Kunststoffe bis zum selben Jahr.

Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), kritisierte das aktuelle "Take-Make-Waste"-Modell als nicht zukunftsfähig. Er betonte, dass die Reduzierung der Plastikproduktion und die Steigerung des Recyclings Priorität erhalten müssten. Florika Fink-Hooijer, Umwelt-Direktorin der EU-Kommission, ergänzte, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur die Umwelt entlaste, sondern auch die Kosten für Hersteller senken könne. Gleichzeitig warnte sie vor Verbindungen zwischen Plastikmüll und organisierter Kriminalität – etwa durch illegale Mülldeponien und Schmuggel.

Daten des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) zeigen, dass Deutschland 2023 von knapp sechs Millionen Tonnen Plastikabfall nur 52 Prozent recycelte. Der Rest wurde verbrannt oder exportiert. Zwar arbeitet Deutschland an Anpassungen des Verpackungsgesetzes (VerpackG), um es an die EU-PPWR anzupassen, doch die Reform steht noch aus. Ohne entschlossenes nationales Handeln befürchten Expert:innen, dass die ehrgeizigen EU-Ziele verfehlt werden könnten.

Der anstehende "Circular Economy Act" der EU zielt darauf ab, die Regeln für Plastiknutzung und -recycling zu verschärfen. Bis dahin bleibt die Durchsetzung der PPWR entscheidend, die zwar verbindliche Quoten vorgibt, aber dort Lücken lässt, wo nationale Gesetze fehlen. Angesichts der anhaltenden Umweltbelastung durch Plastikmüll pochen Verantwortliche auf schnellere Maßnahmen – von Verboten über Recycling bis hin zu Produktionskürzungen.

Quelle