25 April 2026, 12:53

Freiburgs ruhiger OB-Wahlkampf: Zwischen Stabilität und stillen Krisen

Schwarzes und weißes Foto einer Stadtansicht in Freiburg, Deutschland, mit Gebäuden, Bäumen und Menschen und dem Text "Freiburg, Deutschland" unten.

Freiburgs ruhiger OB-Wahlkampf: Zwischen Stabilität und stillen Krisen

Freiburg wählt seinen nächsten Oberbürgermeister – eine Kampagne zwischen sachlicher Diskussion und gelassener Debatte

In Freiburg läuft die Wahlkampagne für das Amt des Oberbürgermeisters ungewöhnlich ruhig ab: Statt hitziger Auseinandersetzungen prägen sachliche Gespräche den Wettstreit. Sieben Kandidat:innen bewerben sich um das Amt, doch drei haben sich als klare Favoriten herauskristallisiert: Amtsinhaber Martin Horn, die linke Pädagogin Monika Stein und der CDU-unterstützte Achim Wiele. Obwohl der Wahlkampf kompetitiv ist, verläuft er im Vergleich zu anderen politischen Machtkämpfen auffallend entspannt.

Die Stadt selbst bleibt ein faszinierender Gegensatz – fortschrittlich, weltoffen und doch mit hartnäckigen Problemen konfrontiert: Kriminalität und städtischer Verfall fordern ihren Tribut. Die vergangenen Jahre waren geprägt von stiller Widerstandsfähigkeit, aber auch von Krisenmomenten, die nun die Prioritäten derjenigen prägen, die Freiburg führen wollen.

Martin Horn regiert seit acht Jahren als Freiburger Oberbürgermeister, nachdem er 2018 überraschend den beliebten Grünen-Politiker Dieter Salomon besiegte. Seine Amtszeit war von Stabilität, aber auch von Kontroversen geprägt – etwa der Reaktion der Stadt auf den Mord an Maria Ladenburger 2016, ein Verbrechen, das die Spannungen um die zunehmende Gewalt im Bermudadreieck offengelegt hatte. Trotz solcher Erschütterungen bleibt Freiburgs politische Kultur auffallend moderat, frei von der Schärfe, die anderswo zu beobachten ist.

Monika Stein, Pädagogin und Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, tritt für die Linke und die Grünen an. Sie wirft Horn vor, es an Visionen fehlen zu lassen, und verweist auf vernachlässigte Orte wie die alte Stadthalle oder das stillgelegte Flugfeld. Ihr Programm setzt auf Belebung und soziale Investitionen, insbesondere in Brennpunkten wie dem Stühlinger Kirchplatz, wo Drogenhandel zwar ein Problem bleibt, aber durch kulturelle Initiativen angegangen wird.

Achim Wiele, Kandidat der CDU, bietet eine konservativere Alternative – wobei die rechte Szene Freiburg seit Langem als uneinnehmbar abtut. Daneben setzen sich Akteure wie Sebastian Müller, ehemaliger Stadtrat der Jungen Liste Freiburg, für Nischenthemen ein, die dennoch drängend sind: etwa strengere Datenschutzbestimmungen oder erweiterte Solarrechte für Bürger:innen.

Der Wahlkampf wird als fast schon gemächlich beschrieben: Podiumsdiskussionen im Bürgerhaus am Seepark mit sieben Rednerpulten und neun Namen auf dem Stimmzettel. Selbst Rudi Raschke, langjähriger Pressesprecher des SC Freiburg, mischt sich ein – er lobt die funktionierende Verwaltung der Stadt, zeigt sich aber offen für frische Impulse. Die Wahl spiegelt eine Gemeinschaft wider, die trotz ihrer Schwächen auf behutsamen Fortschritt statt auf Konfrontation setzt.

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Der oder die nächste Oberbürgermeister:in übernimmt eine Stadt, die Toleranz mit ungelösten Herausforderungen balanciert. Von brachen urbanen Flächen bis zu anhaltenden Sicherheitsbedenken müssen Freiburger Wähler:innen entscheiden: Kontinuität oder Wandel? Das Ergebnis wird zeigen, wie die Stadt ihre Lücken schließt, ohne den kooperativen Geist zu verlieren, der ihre Politik prägt.

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