Kölner Stadtarchiv: Wie ein Einsturz die Stadt für immer veränderte
Eine schwere Katastrophe erschütterte Köln im Jahr 2009, als das historische Stadtarchiv während U-Bahn-Bauarbeiten einstürzte. Bei dem Unglück kamen zwei junge Männer ums Leben, 1,7 Millionen Dokumente wurden zerstört, und die Narbe, die dieser Vorfall in der Stadt hinterließ, ist bis heute sichtbar. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Stelle immer noch nicht instand gesetzt, und die juristischen Konsequenzen wurden erst kürzlich abgeschlossen.
Der Einsturz ereignete sich, als Arbeiter Tunnel für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Kritische Stahlträger waren vor der Katastrophe gestohlen und als Schrott verkauft worden, was die Statik des Gebäudes schwächte. Als der Boden nachgab, bildete sich ein gewaltiger Krater, der benachbarte Häuser verschlang und zwei Anwohner in den Tod riss.
Das Archiv beherbergte Unterlagen aus 1.000 Jahren Kölner Geschichte – von mittelalterlichen Urkunden bis hin zu modernen Stadtplänen. Rettungskräfte verbrachten Monate damit, zerrissenes Papier zu sortieren, und verteilten die Fragmente schließlich an 20 Notarchive. Einige Dokumente konnten erst ein ganzes Jahr später geborgen werden.
Durch den Einsturz neigte sich auch der Turm der St.-Johann-Baptist-Kirche dramatisch zur Seite, was ihr den Spitznamen "Kölner Schiefer Turm" einbrachte. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die das Projekt leiteten, hatten keinerlei Erfahrung mit Bauvorhaben dieses Ausmaßes. Die gerichtlichen Verfahren zogen sich über Jahre hin, führten 2018 zu Verurteilungen und endeten 2024 mit endgültigen Einstellungen wegen Verfahrensfehlern.
Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen und ein würdevolles Mahnmal ein. Die Baustelle ist bis heute unvollendet: 2023 wurde sie nur teilweise mit Beton verfüllt, jetzt überziehen Sandhügel und wildwuchernde Sträucher das Gelände. Bald soll der provisorische Beton entfernt werden, um die U-Bahn-Arbeiten fortzusetzen – mit dem Versprechen, die Fahrzeit um acht Minuten zu verkürzen.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ bleibende Schäden – sowohl für die Geschichte der Stadt als auch für ihre Infrastruktur. Nun, da die juristischen Verfahren abgeschlossen sind und die Bauarbeiten wiederaufgenommen werden sollen, bleibt die Zukunft des Ortes ungewiss. Das Erbe der Katastrophe umfasst verlorene Akten, einen schiefen Kirchturm und die anhaltende Forderung nach einem angemessenen Gedenken.






