Luftfahrtbranche in Deutschland kämpft mit Rekordkosten und schwacher Nachfrage
Nicolai SchlosserLuftfahrtbranche in Deutschland kämpft mit Rekordkosten und schwacher Nachfrage
Deutschlands Luftfahrtbranche steht unter wachsendem Druck durch steigende Kosten und wirtschaftliche Herausforderungen. Die Bundesregierung hat kürzlich die Luftverkehrsteuer um 19,4 Prozent erhöht – eine zusätzliche Belastung für Airlines, die bereits mit explodierenden Kerosinpreisen kämpfen. Nun soll eine neue Reform die Abgaben senken, doch Kritiker halten die Pläne für unzureichend.
Im Mai 2024 hatte Deutschland die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent angehoben und damit die finanzielle Last für die Fluggesellschaften weiter verschärft. Gleichzeitig haben sich die Kerosinpreise seit Dezember 2022 mehr als verdoppelt und machen mittlerweile 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten aus. Allein die Lufthansa rechnet in diesem Jahr mit zusätzlichen Treibstoffkosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.
Als Gegenmaßnahme hat die Regierung nun eine Senkung der Luftverkehrsteuer um 16,1 Prozent vorgeschlagen. Die AfD fordert sogar eine vollständige Abschaffung der Abgabe bis zum 1. Dezember 2024. Doch selbst mit diesen Anpassungen bleibt die Branche in einer tiefen Krise gefangen.
Deutsche Flughäfen verzeichneten 2025 insgesamt 219,8 Millionen Passagiere – immer noch 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Die Lufthansa reagiert mit der Streichung von 20.000 Kurzstreckenflügen bis Oktober, eine Maßnahme, die 40.000 Tonnen Kerosin einsparen soll. Doch die langfristige Perspektive bleibt ungewiss.
Hinzu kommen schwache Konjunkturaussichten und geopolitische Risiken. Wizz Air, Europas drittgrößte Billigfluglinie, könnte zusammenbrechen, falls sich die Spannungen im Nahen Osten weiter zuspitzen. Dies folgt auf das Aus von Spirit Airlines, einer US-Fluggesellschaft mit 172 Airbus-Maschinen, die nach 62 Jahren im Mai 2023 den Betrieb einstellte.
Die für Juni geplante Nationale Luftfahrtstrategie, die Bundeswirtschaftsminister Friedrich Merz auf der Berliner Luftfahrtschau (ILA) vorstellen wird, soll diese Probleme angehen. Experten warnen jedoch, dass die Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der Branche zu sichern.
Die Airlines in Deutschland streichen Flüge, zahlen höhere Steuern und kämpfen mit mehr als verdoppelten Treibstoffkosten. Selbst mit den geplanten Steuererleichterungen bleibt die Erholung der Branche fragil. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Schritte ausreichen, um einen unter massivem finanziellen und geopolitischem Druck stehenden Sektor zu stabilisieren.






