RAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gefährdet Kulturszene und Cassiopeia
Nicolai SchlosserRAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gefährdet Kulturszene und Cassiopeia
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel. Der beliebte Kulturstandort, der mit Clubs, Bars und Veranstaltungsorten wie dem Cassiopeia ein Zuhause für die alternative Szene bietet, droht durch einen eskalierenden Streit zwischen der Kurth-Gruppe und der Stadt Räumungen zu erleben.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Ursprünglich als Reichsbahn-Ausbesserungswerk genutzt, lag es lange brach, bevor es sich zu einem lebendigen Ort für Kultur und Gewerbe entwickelte. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen und Märkte.
Die Spannungen verschärften sich, nachdem die Kurth-Gruppe im Mitte Mai einen vom Senat und dem Bezirk vorgeschlagenen Rahmenvertrag abgelehnt hatte. Das Unternehmen pocht auf eine beschleunigte Baugenehmigung für Wohnungsneubauten, noch bevor weitere Planungen vorliegen, und wirft der Stadt vor, frühere Absprachen gebrochen zu haben.
Die Stadt hingegen wirft der Kurth-Gruppe vor, die Existenz der Clubs und die soziokulturelle Szene auf dem Gelände zu gefährden. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, haben bereits Räumungsklagen erhalten; andere könnten folgen. Das Cassiopeia müsste möglicherweise schon in der kommenden Woche schließen.
Unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“ demonstrierten Aktivisten vor den Büros der Kurth-Gruppe. Im Kern geht es um die Frage, wie viele Wohnungen gebaut werden sollen und ob die historischen Hallen mit ihren kulturellen Nutzungen erhalten bleiben.
Der Konflikt bleibt ungelöst – und mit ihm die Zukunft des RAW-Geländes. Räumungsbefehle liegen vor, Kultureinrichtungen stehen vor dem Aus. Die Auseinandersetzung zeigt das Dilemma zwischen städtischer Entwicklungsplanung und dem Erhalt Berlins vielfältiger soziokultureller Landschaft.
