Revolutionärer Bio-Beton aus Urin: Stuttgarter Forscher entwickeln nachhaltiges Baumaterial
Nicolai SchlosserRevolutionärer Bio-Beton aus Urin: Stuttgarter Forscher entwickeln nachhaltiges Baumaterial
Forscher der Universität Stuttgart haben einen umweltfreundlichen Bio-Beton entwickelt, der auf menschlichem Urin basiert. Das innovative Material nutzt mikrobielle Prozesse, um im Vergleich zu herkömmlichem Zement Energieverbrauch und Emissionen deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal npj Materials Sustainability veröffentlicht.
Das Projekt "SimBioZe" vereint Expertinnen und Experten aus drei Instituten der Universität Stuttgart – dem Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK), dem Institut für Mikrobiologie (IMB) und dem Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) – sowie dem Zentrum für Ökologischen Landbau der Universität Hohenheim. Gefördert im Rahmen des Programms "Mikroorganismen als Helfer im Klimaschutz" zielt die Initiative darauf ab, ein Kreislaufsystem zu schaffen, in dem die Bio-Beton-Herstellung gleichzeitig Düngemittel aus Abwasser gewinnt.
Erste Tests zeigen, dass die Festigkeit des Materials je nach Harnstoffquelle variiert: Mit technischem Harnstoff erreicht der Bio-Beton über 50 Megapascal, während synthetisch stabilisierter Urin rund 20 Megapascal ermöglicht. Echter menschlicher Urin erzeugt zwar nur etwa 5 Megapascal, liegt damit aber immer noch im nutzbaren Bereich. Bisher ist der Flughafen Stuttgart der einzige öffentlich bestätigte Teststandort für die Pilotanwendung dieser Technologie.
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg hat das Projekt um drei weitere Jahre verlängert. Die zusätzliche Zeit soll für Feinabstimmungen und Praxistests genutzt werden. Für wissenschaftliche Details stehen das Team um Prof. Lucio Blandini, Maiia Smirnova und Dr. Sabine Zikeli als zentrale Ansprechpartner zur Verfügung.
Der Erfolg des Projekts könnte die Umweltbelastung durch die Betonproduktion deutlich verringern. Durch die Kombination von Abfallrecycling mit energiearmen Verfahren bietet es einen konkreten Schritt hin zu einer nachhaltigen Bauweise. Weitere Versuche werden zeigen, ob sich das Verfahren großflächig einsetzen lässt und langfristig bewährt.






