Theater hinter Gittern: Wie Inhaftierte mit DNA das Publikum begeistern
Sabrina RoskothTheater hinter Gittern: Wie Inhaftierte mit DNA das Publikum begeistern
Ein voll besetzter Saal mit rund 80 Zuschauern füllte die Jugendstrafanstalt Wiesbaden, um eine mitreißende Aufführung junger Inhaftierter zu erleben. Die jährliche Theaterproduktion, eine seit 2008 bestehende Tradition, zog einmal mehr ein großes Publikum an – die Karten waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Das diesjährige Stück, DNA von Dennis Kelly, thematisierte die düsteren Folgen von Gruppendynamik unter Jugendlichen und eskalierender Gewalt.
Die Vorstellung fand auf der hauseigenen Studiobühne der Anstalt statt, der ersten und einzigen ihrer Art in Deutschland. Regisseur Matze Vogel wählte DNA wegen der schonungslosen Darstellung aus, wie Gruppenzwang zu zerstörerischem Verhalten führen kann. Das Ensemble, bestehend aus Inhaftierten, bot eine packende Darstellung, die das Publikum zunächst in fassungsloses Schweigen versetzte, bevor es in tosendem Applaus ausbrach.
Nach dem letzten Vorhang kehrten die Schauspieler und Techniker mehrfach auf die Bühne zurück, um den begeisterten Beifall entgegenzunehmen. Ein Darsteller, der nur unter dem Kürzel J. bekannt ist, berichtete später, das Theater mache ihn frei – ein Gefühl, das auch andere Beteiligte teilten. Hinter den Kulissen wirkt die Kostümbildnerin Nathalie Meyer seit über einem Jahrzehnt am Projekt mit und sorgt für dessen Kontinuität.
Michaela Wasemüller, Leiterin der Wiesbadener Justizvollzugsanstalt, erläuterte, dass das Theaterangebot Teil des Resozialisierungsprogramms sei. Zwar gebe es keine öffentlich formulierten künstlerischen oder pädagogischen Ziele, doch die Produktion habe sich zu einem festen Bestandteil des Anstaltslebens entwickelt. Für die nächste Inszenierung plant Vogel mit einer kleineren Gruppe zu arbeiten, um intensiver an den Darstellern zu arbeiten.
Der Erfolg der diesjährigen Aufführung unterstreicht die anhaltende Wirkung des Theaterprojekts. Mit ausverkauften Vorstellungen und einem engagierten Team bietet die Initiative Inhaftierten weiterhin eine kreative Plattform. Die nächste Produktion wird ein weiteres Kapitel in einem Projekt schreiben, das nun seit über 15 Jahren besteht.






