UNESCO ehrt deutsche Traditionen – doch Döner und Buchhandlungen fehlen auf der Liste
Ira DowergUNESCO ehrt deutsche Traditionen – doch Döner und Buchhandlungen fehlen auf der Liste
Deutschland hat mehrere neue Traditionen in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den neuesten Eintragungen zählen das handwerkliche Herrenschneiderhandwerk, die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten und die Ostseefischerei. Der Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, gab gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission die neuen Ergänzungen bekannt.
Weimers jüngste Entscheidungen haben jedoch auch für Diskussionen gesorgt. Seine Streichung eines Übersetzungsprojekts für palästinensische Autor:innen von der Berliner Förderliste stieß auf Kritik. Gleichzeitig blieben einige bekannte deutsche Praktiken – wie der Döner Kebab und linksalternative Buchhandlungen – unberücksichtigt, was die Debatte weiter anheizte.
Die jüngsten UNESCO-Anerkennungen umfassen eine Mischung aus traditionellen und modernen deutschen Bräuchen. Dazu gehört das jahrhundertealte Handwerk des Herrenschneiders, das für seine Präzision und Kunstfertigkeit bekannt ist. Ein weiterer Neuzugang ist die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten, symbolisiert durch eine skurrile Anzeige aus dem 19. Jahrhundert, die einen "Jungen Mann für Reisen" suchte – ein Verweis auf die wandernden Künstler, die die deutsche Unterhaltungsbranche prägten.
Weitere Aufnahmen sind die Ostseefischerei, eine Praxis, die eng mit den Küstencommunities verbunden ist, sowie die Laternenumzüge zum Martinstag, bei denen Kinder mit leuchtenden Laternen durch die Straßen ziehen. Auch das Straßenfußballspiel, ein in urbanen Räumen verbreiteter Volkssport, wurde gewürdigt.
Doch nicht alle kulturellen Elemente schafften es auf die Liste. Die SPD-Sommerfest-Bratwurst, ein fester Bestandteil politischer Veranstaltungen, blieb außen vor. Ebenso fehlen unabhängige linksalternative Buchhandlungen und der Döner Kebab, ein Gericht, das längst als kulinarisches Symbol Deutschlands gilt. Weimers Entscheidungen stoßen auf Widerstand, insbesondere seit er die Förderung für ein palästinensisches Übersetzungsprojekt strich. Kulturminister:innen und Senator:innen aus acht SPD-geführten Bundesländern protestierten gegen diesen Schritt und hinterfragten sein Vorgehen bei der Bewahrung des kulturellen Erbes.
Die Auslassungen haben eine breitere Debatte darüber ausgelöst, was deutsches Kulturerbe ausmacht. Während einige die neuen UNESCO-Einträge feiern, argumentieren andere, dass Alltagstraditionen wie der Döner gleiche Anerkennung verdienen.
Die aktualisierte UNESCO-Liste umfasst nun sechs neue deutsche Kulturpraktiken. Die Auswahl hebt sowohl langjährige Handwerkskunst als auch Gemeinschaftsbräuche hervor. Doch die Kontroverse um die nicht berücksichtigten Elemente – etwa Döner und Buchhandlungen – zeigt, wie strittig die Frage der kulturellen Anerkennung bleibt.
Weimers jüngste Kürzungen bei der Förderung haben die Diskussion zusätzlich angeheizt. Kritiker:innen fordern mehr Transparenz bei der Auswahl und Unterstützung von Kulturgütern. Die endgültige Liste spiegelt eine Mischung aus offizieller Anerkennung und öffentlicher Uneinigkeit über die deutsche kulturelle Identität wider.






