Verdacht auf Missbrauch von 924.000 Euro Fördergeldern bei hannoverschem Integrationsverein
Katherina HermannVerdacht auf Missbrauch von 924.000 Euro Fördergeldern bei hannoverschem Integrationsverein
Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD in Hannover, gründete 2018 den Verein Integrationsarbeit Kronsberg. Die Organisation erhielt später beträchtliche öffentliche Fördergelder für ein lokales Projekt. Nun gibt es Fragen zur Verwendung der Mittel.
2023 sicherte sich der Verein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 924.479 Euro für das Projekt Respekt Café Kronsberg. Bis Juni desselben Jahres waren bereits fast 740.000 Euro ausgezahlt worden – doch nachweisbare Arbeiten am Projekt ließen sich nicht bestätigen.
Iri und ihre Tochter Esma Bozdemir bezogen aus den Vereinsmitteln Gehälter in Höhe von mindestens 685.000 Euro. Die SPD betonte, dass es keine offiziellen Verbindungen zwischen der Partei und dem Verein gebe. Iri legte ihr Stadtratsmandat nieder und ruhte ihre SPD-Mitgliedschaft aus, wobei sie gesundheitliche Gründe angab.
Adis Ahmetović, SPD-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Landesvorsitzender in Niedersachsen, wurde im Dezember 2022 über die Vorwürfe informiert. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder für Immobilienkäufe verwendet wurden. Das Amtsgericht Hannover hat zudem ein Insolvenzverfahren gegen den Verein eingeleitet.
2018 hatte Doris Schröder-Köpf, die ehemalige Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, Iri ein Empfehlungsschreiben ausgestellt.
Der Verein steht wegen des Umgangs mit öffentlichen Mitteln unter rechtlicher und finanzieller Prüfung. Die Ermittlungen zu einem möglichen Missbrauch der Gelder laufen noch. Der Fall wirft Fragen zur Kontrolle und Rechenschaftspflicht bei öffentlich geförderten Projekten auf.
