14 March 2026, 18:35

Videoskandal erschüttert Baden-Württembergs Koalitionspläne nach knapper Grünen-Wahl

Ein deutscher Propagandaplakat für die NSDAP, das zwei Männer auf einem Sofa zeigt, mit Text, der Informationen über die Partei enthält.

Palmer: "Kann mit der Seele der CDU mitfühlen" - Videoskandal erschüttert Baden-Württembergs Koalitionspläne nach knapper Grünen-Wahl

Ein umstrittenes Video hat den Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg erschüttert – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Grünen knapp den Sieg sicherten. Die Aufnahme, die von einem Grünen-Abgeordneten verbreitet wurde, zeigt den CDU-Politiker Manuel Hagel bei Äußerungen über eine Schülerin aus dem Jahr 2018. Die daraus resultierende Kontroverse hat die Spannungen zwischen Grünen und CDU weiter verschärft, die nun vor der Herausforderung stehen, eine stabile Koalitionsregierung zu bilden.

Das Video, das während des Wahlkampfs viral ging, zeigt Hagel – damals 29 Jahre alt – wie er der Schülerin Komplimente über ihre "rehbraunen Augen" macht. Kritiker warfen ihm umgehend sexistische Untertöne vor, was eine breite Empörungswelle auslöste. Hagel verteidigte sich mit dem Verweis auf den zeitlichen Abstand zum Vorfall, doch sein Ansehen brach sowohl bei konservativen als auch bei linksgerichteten Wählern ein. Dies begünstigte den Vorsprung seines Kontrahenten Cem Özdemir in den Umfragen.

Die CDU reagierte scharf: Generalsekretär Tobias Vogt verurteilte die Grünen für eine "schmutzige Kampagne", die "Menschen zerstört". Es wurde der Vorwurf erhoben, die Veröffentlichung des Videos sei eine gezielte Diffamierungskampagne gewesen. Der ehemalige Grünen-Politiker Boris Palmer erkannte zwar die Empörung der CDU an, wies jedoch Spekulationen über eine abgestimmte Aktion zurück. Stattdessen führte er die Verbreitung auf eigenständiges Handeln einzelner Abgeordneter zurück.

Mit den Grünen als künftiger führender Kraft im Land steht Özdemir nun vor der Nachfolge von Winfried Kretschmann als Ministerpräsident. Palmer mahnte die Grünen, das Vertrauen der CDU zurückzugewinnen, und betonte, dass nur diese beiden Parteien eine stabile Regierung bilden könnten. Er bestehe darauf, dass die Grünen nachweisen müssten, dass die Veröffentlichung des Videos nicht eine kalkulierte Aktion Özdemirs selbst gewesen sei.

Das Wahlergebnis lässt Grünen und CDU als einzige realistische Regierungspartner zurück. Özdemirs Führung wird davon abhängen, die durch den Videoskandal belasteten Beziehungen zu kitten. Ohne Kooperation droht Baden-Württemberg eine längere Phase politischer Unsicherheit.

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